Eine Woche Fair Trade als Thema

Airbnb Hamburg

Eine Woche Fair Trade. Es musste unbedingt dieses Thema sein. Dafür bin ich für eine Woche nach Hamburg gereist. Mein erster Bildungsurlaub und so etwas wie „back to the roots“. Erinnerung an meine Jahre im Weltladen. Wo ich  5 (?) Jahre lang ehrenamtlich gearbeitet habe. Das war noch vor meinem Studium. Damals hieß der Laden Eine-Welt-Laden. Und davor Dritte-Welt-Laden. Wir haben vor allem Kaffee und andere Lebensmittel aus fairem Handel verkauft. Aber auch kunsthandwerkliche Waren und alle möglichen umweltfreundliche Öko-Artikel. An Wochenenden machten wir oft Öffentlichkeitsarbeit und verkauften unseren Fair Trade Kaffee quasi in der Fußgängerzone.

Unsere Kinder haben sich in dieser Zeit malend und bastelnd ebenfalls engagiert, auf mögliche Unwegsamkeiten im Leben in nördlicher Hemisphäre vorbereitet, sich emanzipiert und dem Streik angeschlossen ohne zu wissen worum es geht.

 

Eine Woche Fair Trade Stadt Hamburg

In Hamburg wurden wir, eine Gruppe von 18 interessierten Leuten, erst theoretisch an das Thema Fair Trade herangeführt {thanks to Chris}. Wir führten, wie Chris sagte, lebhafte, faire und reflektierte Diskussionen. Interessante Gäste waren bei uns. Eine Akteurin vom Nepal Team Michaelis Neugraben berichtete uns authentisch und mit strahlenden Augen von ihren 30 Jahren Nepal Erfahrungen, Reisen und Projekten. Sie outete sich zwinkernd als kleine Emanze und steht vor allem für die Rechte der Frauen in Nepal ein. Für Schulbildung, besonders auch für Mädchen, in dem strengen hinduistischen Kastensystem.
Florian von hamburg mal fair (hmf) verteilte iPads an uns und lies uns damit in Teams gegeneinander ein Quiz lösen.

Eine Woche Fair Trade als Thema - Weg zu meinem Airbnb
Abendstimmung auf dem Weg zu meinem Airbnb im Stadtteil Eimsbüttel

Richtig interessant wurde es bei den Exkursionen

Upcycling Regal

Auf dem Plan standen ein Besuch in der Hamburger Senatskanzlei (Entwicklungspolitik Hamburg), dem Süd-Nord Kontor, Gepa Fair Trade Company, Jan Spille (Schmuck Atelier) und Hess Natur.

Friederike von hamburg mal fair hat für unseren Besuch im Süd-Nord Kontor eine Präsentation zum Thema Slow Fashion vorbereitet. Nachhaltigkeit in der Mode – eins meiner Lieblingsthemen.  Ziemlich ernüchtert kam ich aus dem Vortrag heraus. Noch auf dem Weg zur U-Bahn habe ich lange mit Heike darüber diskutiert.

 

Die Entstehungsgeschichte eines Kleidungsstückes

… ist alles andere als transparent und sehr vertrackt und schwierig zu durchschauen. Am meisten enttäuscht bin ich darüber, dass der Einzelhandel immer den gleichen prozentualen Anteil an einem Kleidungsstück verdient. Ganz gleich, ob es konventionell hergestellt oder Fair Trade ist. Wenn ich ein faires T-Shirt kaufe, dann möchte ich eigentlich das meiste des Geldes bei den Menschen wissen, die die Rohstoffe dafür ernten, die die Stoffe weben und die daraus das T-Shirt nähen. Und dass das Geld auch dafür verwendet wird, die Arbeitsbedingungen dieser Menschen zu verbessern und sie in Projekten zur Selbsthilfe zu unterstützen. Dass lediglich der Zwischenhandel beispielsweise aus der Rechnung herausfällt das reicht mir noch nicht. Dafür erhalten zwar die Menschen am Anfang der Produktionskette fairere Preise. Aber – wieviel fairer eigentlich?

 

Wie fair ist fair?

Airbnb Hamburg
Airbnb Hamburg

Was ich wahrnehme sind mehr oder weniger halbherzige Aktionen großer Modemagnate, neue Standards für die Arbeitenden zu schaffen, so öffentlichkeitswirksam wie nur möglich, um vor allem den eigenen Ruf und das Image der eigenen Marke zu renovieren. Ich traue der Sache einfach nicht. Und mit dieser kritischen Haltung und auch weil ich keine Möglichkeiten sehe die Missstände vor Ort zu überprüfen, muss ich für mich Konsequenzen ziehen. Das kann ich am besten dadurch, dass ich mein eigenes Kaufverhalten überdenke und auch ändere. Das ist nicht immer einfach und es funktioniert auch nicht immer. Aber es ist ein Weg den ich weiter verfolgen möchte. Und der neu aufgekommene Slow Fashion Trend kommt mir hier sehr gelegen. Was sich da momentan entwickelt, in den Köpfen von modernen Leuten und bei Startups ist teilweise wirklich phantastisch. Zum Beispiel dass man Mode auch leihen kann. Das Thema Slow Fashion kommt sinnvollerweise auch mit einem zweiten neuen Trend, dem Minimalismus, daher. Und diese beiden Trends ergänzen sich auf wundersame Weise.  

Seit wann gibt es eigentlich den Begriff Slow Fashion?

Einfach aus dem Bauch heraus würde ich es so einordnen, dass es eine neue Bewegung ist, ein Trend der absolut Sinn macht. Eine kleine Gegenbewegung, die sich gegen die schnelllebige und profitorientierte Modeindustrie richtet. Gegen die Ausbeutung von Ressourcen und besonders gegen die Ausnutzung von schlecht bezahlten Arbeiter*innen in den Ländern des Südens. Das Thema ist nach dem furchtbaren Rana Plaza Fabrikunglück, 2013(?) in Bangladesch stark in unser Bewusstsein gerückt (worden). Schrecklich, dass so etwas erst passieren musste um die Textilindustrie endlich wachzurütteln ethisch zu handeln. Durch entsprechende Regularien hätten Standards geschaffen und Vorkehrungen getroffen werden können, die das Eintreten eines solchen Unglücks verhindert hätten! Auch mir hat das wieder die Augen geöffnet. Es ist unbequem über sowas nachzudenken, weil man sich dann mehr oder weniger gezwungen sieht etwas an dem eigenen Verhalten ändern zu müssen. Ich sehe aber gerade mich (uns) in der Pflicht das zu tun, ich muss mich diesen unbequemen Themen stellen, sonst ändert sich nichts für die betroffenen Menschen. Das ist auch meine Verantwortung.

Mehr zum Thema Slow Fashion

Eine Woche Fair Trade Seminar im Schanzenviertel
Eine Woche Fair Trade Seminar im Schanzenviertel

Es ist gut, dass ich dieses Seminar besucht habe. Es hat mir neue Denkanstöße gegeben und ich habe tolle Leute kennengelernt. Und das ganze wurde noch abgerundet mit einem wunderschönen Airbnb in Eimsbüttel, wo ich mich in einer liebevoll minimalistisch eingerichteten Wohnung unter die Nachbarschaft mischen durfte als wäre ich dort für immer eingezogen {thanks to Kathi}.

(In diesem Artikel befinden sich unbezahlte Werbe-Links)

Titelbild in Kathis Wohnung (Puppenstube) aufgenommen

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