Alpencross Munich – Venezia : Dolomiten

ALPENCROSS *

Vierter Teil des Alpencross Munich – Venezia : Unesco Naturerbe Dolomiten
Von Dobbiaco über den Passo Cimabanche in die Cadore bis an den Südrand der Alpen.

7. Etappe: Dobbiaco – Passo Cimabanche – Cortina d’Ampezzo – San Vita di Cadore

Dobbiaco, bekannter hierzulande unter dem Namen Toblach, begrüßte uns in den frühen Morgenstunden mit Sonnenschein. Bevor wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück (dringend erforderliche Stärkung für den bevorstehenden Tag) in Richtung Dolomitenpass aufmachten, machten wir einen kurzen Abstecher in die Pfarrkirche zum Heiligen Johannes dem Täufer.

Alpencross - Toblach

Sonnige Ruhe liegt über
diesem schönen Ort

Eine gigantische Kirche ragte in pastellig lindgrünem Gewand inmitten des Toblacher Zentrums vor uns in den wolkenlosen Himmel. Und machte uns den Abschied nicht leicht. Die Farbe passt zu gut in diesen Ort, ein Hoch auf den Restaurator der sie ausgewählt hat. Wir hätten uns gut vorstellen können das idyllische und friedliche Bild in harmonischer Farbgebung noch eine Weile von einem Café aus zu beäugen. Als wir die Kirche betreten haben, wurden von der Empore herab Klänge des Kirchenchores in Begleitung von Orgelklängen sphärisch in das große Kirchenschiff getragen.

Das und die durch die Fenster brechenden Sonnenstrahlen schafften eine wohlige Atmosphäre. Nach kurzem Innehalten starteten wir dann durch und haben endgültig das Pustertal hinter uns gelassen.

Vor uns konnten wir schon erkennen, dass der strahlend blaue Himmel von vergänglicher Schönheit ist.  Schließlich wurde bereits für den nächsten Tag Schnee vorhergesagt. Und ganz schnell zog es sich in den Bergen zu. Das ist das beängstigende in den Bergen, dass das Wetter von Null auf nichts wechseln kann wie es ihm gerade passt.

Alpencross - Toblach

Wir fuhren entlang des Toblacher Sees, der zum kurzen Verweilen eingeladen hat, obwohl wir gerade erst in Toblach losgefahren waren. Aber er ist einfach zu schön um ihn nur links – besser gesagt rechts – liegen zu lassen. So betrachteten wir den ruhigen See eine ganze Weile und schöpften daraus Kraft für den bevorstehenden Berg.

Alpencross - Toblacher See

Die drei Zinnen

Wir freuten uns unbändig auf das angekündigte Plateau, von wo aus man Blick auf die Drei Zinnen hat.

Allerdings nur dann, wenn einem die Wolken keinen Strich durch die Rechnung machen. Leider machten uns die Wolken einen Strich durch die Rechnung. Vom warmen Café neben dem Parkplatz warteten wir eine Suppe lang darauf, dass der Vorhang sich zur Seite zieht. Aber Pustekuchen.

Wir machten uns einen Spaß daraus und fotografieren die Drei Zinnen von einer Postkarte ab. Ansonsten sind wir damit zufrieden, dass wir wenigstens eineinhalb Zinnen real gesehen haben. Bevor sich der Wolkenhimmel vollends über den Dolomitenspitzen zugezogen hat.

Wunsch…
…und Wirklichkeit
Die Drei Zinnen als Attrappe täuschend echt ins Bild gerückt.
Die Drei Zinnen als Attrappe täuschend echt ins Bild gerückt

Egal wie, die Landschaft hier oben ist toll und es machte Spaß dort und überhaupt schon so weit gekommen zu sein. Wir stiegen wieder auf die Räder und bezwangen die letzten Kilometer bis zum Passo Cimabanche. Wir konnten genießen was wir gesehen haben und vergessen was sich uns nicht gezeigt hat. Weiter ging es, teils auf Schotterpisten und durch den Wald.

Der Passo Cimabanche – Alpencross? Dolomitencross!

Dank Teasi alles im Blick

Am höchsten Punkt haben wir den Gemärkpass, den Passo Cimabanche erreicht. Er ist die Grenze zwischen Trentino-Südtirol und Venetien. Erst mal durchschnaufen und sich darauf freuen, dass es bald ein langes Stück nur bergab gehen wird. Ganz schön frisch da oben. Wir machten alle Schotten dicht und verpackten uns wind- und wetterfest vor der Abfahrt ins Tal. Inzwischen hatte auch ein leichter Nieselregen eingesetzt. Ich musste an eine Badewanne denken oder wenigstens eine heiße Dusche.


Die Abfahrt führte über einen Kiesweg und war anfangs etwas eintönig. Kleine Bahnwärterhäuschen die fast aussehen wie zu groß geratene Vogelhäuschen erinnerten uns daran, dass wir uns auf der ehemaligen Bahntrasse befinden. Es kamen ein paar Brücken und Tunnel. Zum ersten Mal machte ich hier Gebrauch von meiner Stirnlampe, die ich vor der Abfahrt aufgesetzt hatte. Und nach einem der Tunnel befanden wir uns plötzlich inmitten der schönsten Dolomiten Landschaft, die mich fast ein wenig an Island erinnerte. Die Sonne hatte sich zwar inzwischen verabschiedet, aber trotzdem lag eine tolle Stimmung hier in der Luft und ein atemberaubender Ausblick.

Inmitten der Dolomiten Welt

Sie sind die schönsten
Berge der Welt!

Wir nahmen das alles dankbar in uns auf. Das Gefühl hier oben auf diesem Wanderweg inmitten des Naturparks der Dolomiten zu sein war unbeschreiblich. Und ganz besonders nachahmenswert! Obwohl ich noch nicht alle Berge der Welt gesehen habe stimmte ich mit ein in das Loblied von den schönsten Bergen der Welt!

Alpencross Dolomiten

In Cortina d’Ampezzo kehrten wir bei starkem Regen in ein Caffè ein. In erster Linie um ein wenig abzuwarten bis der Regen nachlässt, aber natürlich auch um die verdiente Capuccino Pause einzulegen.  Ich hätte nicht unbedingt damit gerechnet in einem der renommiertesten Skiorte außerhalb der Saison auf einen österreichischen Obdachlosen zu treffen, der sich zu allen Gästen setzte, zu verstehen gab dass er hungrig ist, sich etwas bestellte und einladen ließ. Er hatte auch eine Behinderung und ich machte mir Gedanken wie er die Nächte verbringt, wo er sich hinlegt bei diesem nasskalten Hundewetter. Aber hier scheint es ihm besser zu gehen als in seiner „Heimat“ (wenn man das denn so nennen kann), er redete auf alle Gäste ein, nicht die Polizei zu rufen.

Olympiaschanze in Zuel

Unser Ziel der Etappe lag kurz hinter Cortina d’Ampezzo, wo wir in San Vito di Cadore unser Zimmer für diese Nacht reserviert hatten. Das Locanda Montana ist ein kleines, sehr einfaches aber gemütliches und vor allem herzlich geführtes Hotel in dem wir alles hatten was wir für eine Nacht brauchten.
Es gibt wirklich nicht viel in diesem kleinen Ort und wir waren überglücklich, dass wir in der Pizzeria Paradiso, die an diesem Abend im Herbst geöffnet hatte, einen Tisch bekommen haben. Denn wir hatten am Ende dieser Etappe nur Hunger, Schlaf und das Bedürfnis nach Wärme. Wir mischten uns unter die Dorfbewohner und probierten von den regionalen Gerichten. So hatte der anstrengende Tag noch einen ganz gemütlichen Ausklang gefunden.

8. Etappe: Valle di Cadore – Rivalgo – Longarone – Soverzene – Ponte nell’Alpi

Alpencross München - Venedig

Wenn man sich denkt – Haha, nach dem Dolomitenpass geht es bis Venedig nur noch den Berg runter! Dann hat man sich getäuscht. Es gibt auf dieser Strecke nämlich eine ganze Menge Wellen. Wellen die meine Pläne durchkreuzten, weil ich mich jetzt auf runterfahren eingestellt hatte und ein bißchen ausruhen wollte und keine Lust mehr auf Berge und Hügel hatte.

Sie sind auf meinem Plan auch überhaupt nicht eingezeichnet. Fast fühlte ich mich auf den Arm genommen. Wer hatte denn diesen Plan gemacht. Vielleicht aber lag mein Mißmut auch an dem verregneten Wetter. Seit gestern Nachmittag hatte es immer wieder mal stärker geregnet. Und auch an diesem Tag mussten wir manchmal unterstehen, um nicht bis auf die Haut nass zu werden. Meine Stimmung war im Keller.

Dingsda di Cadore

Wir kamen durch einige Ortschaften, die alle irgendwas mit „… di Cadore“ heißen. Orte an die ich mich später nicht mehr erinnern konnte. War das in San Vito di Cadore oder in Borca di Cadore oder in Vodo di Cadore, Valle di Cadore, Tai di Cadore, Pieve di Cadore, Calalzo di Cadore, … ach, egal.  Unterwegs kauften wir in einem Supermarkt ein paar Sachen ein, um abends in dem kleinen Appartment in Ponte nell’Alpi etwas zu kochen. Hey – wenn das mal keine tolle Aussicht ist? Die Stimmung hellte sich auf 🙂

Bis wir in Ponte nell’Alpi ankamen und feststellen mussten, das die Unterkunft nochmal etwas über 8 km von uns entfernt liegt. Wir hatten Hunger und konnten in dem ganzen Ort keine Pizzeria finden, die am frühen Nachmittag geöffnet hat. Also wieder in ein Caffè. Ausruhen für die letzten Kilometer. Die dummerweise auch noch mit 200 hm verbunden sind.
Unsere Unterkunft mussten wir uns dieses Mal richtig verdienen.

Und jetzt – Pasta e Basta!

Als wir eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit das Agriturismo Cornolade erreicht haben war uns sofort klar, das wir von hier nicht so schnell wieder weggehen werden. Wir hängten unsere Sachen zum Trocknen auf. Und freuten uns auf´s Kochen. Und auf´s Essen erst!

Die Strecke zurückblickend, was von dieser Höhe aus gut möglich ist, konnten wir sehen wie sich die Dolomiten zugezogen haben und konnten auch den vorhergesagten Schnee auf dem Passo Cimabanche erahnen. Wie gut dass wir das davor noch geschafft haben.

Alpencross - Lago di Santa Croce
Lago di Santa Croce

Am nächsten Tag habe ich mich nicht bewegt 😉 Da wurde abwechselnd das Buch geschmökert, die Aussicht bei Sonnenschein genossen, ein kleiner Spaziergang gemacht und für´s leibliche Wohl gesorgt {mille grazie Mauro}

Die härtesten Etappen sind geschafft.

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